Schreiben als Hobby – wie kommt man auf so was?
Als ich mich vor gut fünfundzwanzig Jahren zum ersten Mal überhaupt mit dem Thema Schreiben befasst habe, stand ich zunächst wie der berühmte Ochs vorm Berge. Das Wort Plot kannte ich nur aus dem Zeichenbüro und obwohl ich schon eine Menge Bücher gelesen hatte, musste ich mir so banale Dinge wir „richtige Zeichensetzung bei wörtlicher Rede“ erst mal mühsam anlesen. Diese Basics hatte ich dann recht schnell drauf, stoße aber auch heute noch zuweilen auf Dinge, die ich erst nachschlagen muss. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass es nicht für alles feste Regeln gibt. Wie stelle ich es dar, wenn jemand stottert? Wann nutze ich den Gedankenstrich und muss ich zusätzlich ein Komma setzen? Wie stelle ich Gedanken meiner Protagonisten dar? Wie Chatnachrichten? Wie geschriebene Briefe? Wie oft benutze ich Standardwörter wie „sagte“, „fragte“, „antwortete“, um nur einige Beispiele zu nennen. Autoren, Lektoren und Verlage behandeln all diese Dinge teilweise sehr unterschiedlich, also muss man irgendwann seinen eigenen Stil finden, immer in der Befürchtung, etwas falsch zu machen. Zu allem Überfluss streichen einem Rechtschreib- und Stilprüfungen in der Software oft noch Dinge an, die gar nicht unbedingt falsch sind. Unsicherheiten über Unsicherheiten! Und dazu findet man auch bei der fünften Korrekturlesung immer noch Fehler. Wie soll man da jemals ein fertiges Buch zustande bringen?
Ich bin zunächst den Weg über Internetportale wie e-stories gegangen, auf denen man seine Geschichten kapitelweise veröffentlichen konnte. Heute ist wohl Wattpad der bekannteste Anbieter in diesem Bereich. Anfang dieses Jahrtausends war diese Art der Veröffentlichung noch relativ neu und man bekam fast immer Feedback, wenn man etwas Neues einstellte. Die Leser interessierten sich dabei nicht weiter für Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler, sondern waren auf den Inhalt der Geschichte fokussiert. Viel Lob bekam ich damals für eine kurze Liebesgeschichte, die ich 2020 unter dem Titel Wenn Sara nicht gewesen wäre in überarbeiteter Form veröffentlicht habe. Das Buch taugt sicher nicht zum Verkaufsschlager, aber es war mir ein Bedürfnis, mein allererstes Werk als Buch in den Händen zu halten.
Überhaupt schreibe ich eher für mich als für andere. Natürlich freue ich mich über jeden Leser und jedes Lob, aber die grundsätzliche Motivation zum Schreiben ziehe ich aus der Vorfreude, irgendwann mein eigenes Buch mit einer guten Geschichte in den Händen zu halten. Doch bis dahin ist es jedes Mal ein weiter Weg. Von der Idee und dem ersten kleinen Plot bis zum fertigen Buch dauert es bei mir durchschnittlich zwei Jahre, in denen allerdings auch immer eine mindestens halbjährliche Phase des „Vergessens“ ist, um Abstand zu der eigenen Geschichte zu bekommen. Hannos Reise ist mit nicht mal einem Jahr Bearbeitungszeit mein bisheriger persönlicher Rekord. Da ich für dieses Buch keinen großartigen Plot hatte, sondern mich einfach habe treiben lassen, entfiel praktisch jegliche Vorarbeit. So habe ich fürs eigentliche Schreiben nur etwa zwei Monate benötigt und nach dem sechsmonatigen „Ruhenlassen“ der Geschichte war der Rest dann Korrektur und Überprüfung, wozu ich aufgrund der Coronaauflagen auch reichlich Zeit hatte. Hannos Reise ist aber auch eine sehr gradlinige Geschichte, die verhältnismäßig leicht zu schreiben war. Bei einem komplizierten Plot mit mehreren Handlungssträngen, wie z. B. einem Kriminalroman, ist die Fertigstellung innerhalb eines Jahres für mich als Hobbyautor nicht machbar. Bei derartigen Geschichten ist es schon schwer genug, überhaupt den Überblick zu behalten, wenn man zeitweise mehrere Tage am Stück nicht schreiben kann.
Schreibblockade oder warum geht’s nicht weiter?
Das Wort „Schreibblockade“ fällt gerade unter unbekannten Autoren häufiger, zumindest lese ich in Foren manchmal darüber. Hier kommt es darauf an, was man darunter versteht. Ich persönlich komme auch manchmal in einer Geschichte nicht weiter, was aber weniger mit einer Blockade, als vielmehr mit Unlust oder zu viel Stress in Privatleben und Beruf zu tun hat. Vielleicht mag ich die eigene Geschichte auch nicht mehr so wie zu Beginn, bin mit der Entwicklung nicht zufrieden, oder es fehlt das Feuer, weil ich nur einen Plan (Plot) abarbeite. Gerade Letzteres führt bei mir häufig zu längeren Schreibpausen. Ich halte mir die Entwicklung und das Ende der Geschichte gerne offen, wenn ich beginne zu schreiben, lasse mich sozusagen mit meinen Protagonisten durch die Geschichte treiben und schaue mal, wo wir am Ende gemeinsam ankommen. Bei einer Geschichte wie der Trinity Young Trilogie, eine dystopische Zukunftsvision, funtkioniert das Treibenlassen aber nicht. Aufgrund der logischen Zusammenhänge muss vieles vorher festgelegt sein. Ein Umstand, der mir manchmal den Spaß am Schreiben verleidet, weshalb ich dann eine Pause an dem Projekt mache. Auch wenn ich mich durch solche Phasen natürlich „durcharbeiten“ kann, wird das Ergebnis nie so gut sein, wie das, was ich mit vollem Herzblut zu Papier bringe. Und da meine Intention nie war, Geld mit dem Schreiben zu verdienen, kann ich auch so schreiben, wie ich möchte – ohne mir von irgendwem sagen lassen zu müssen, dass ich damit nicht genug Leser finde. Damit kommen wir zum nächsten Thema…
Zukünftige Projekte
Da ich auf Terminvorgaben und Meinungen von Agenturen und Verlagen keine Rücksicht nehmen muss, werde ich zwar nicht reich damit, kann aber weiterhin das schreiben, wonach mir ist. Ideen habe ich reichlich. Es gibt einige grobe Plots, die ich noch umsetzten möchte, sobald die Trinity Young Trilogie abgeschlossen ist. Mal ist ein zehnjähriger Junge der Held, mal ein achtzehnjähriges Mädchen und sogar für Erwachsenengeschichten und ein Kinderbuch habe ich Dinge in der Schublade liegen. Wenn die Zeit soweit ist, werde ich entscheiden, was ich als Nächstes schreiben möchte, und bis dahin kommen sicher noch weitere Ideen hinzu. Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, dass ich bis an mein Lebensende wohl nicht mehr alles werde umsetzen können. Nur bei einem bin ich mir sicher: Ein schon vor über 20 Jahren begonnenes, von Harry Potter inspiriertes Fantasy-Projekt, werde ich irgendwann wieder aufnehmen.